Pijota's Schwester entfernt die Augenbinde - endlich kann er wieder sehen.
Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Erde. Die medizinische Versorgung ist schlecht – auf eine Million Menschen kommt etwa ein Augenarzt. Das ist so, als gäbe es in ganz Österreich nur 8 Augenärzte!
1,2 Mio Menschen in Äthiopien sind blind. Den meisten von ihnen könnte geholfen werden. LICHT FÜR DIE WELT ermöglicht die Ausbildung von Augenärzten und augenmedizinschem Fachpersonal.
Außerdem fördern wir 11 Augenkliniken im ganzen Land und unterstützen sie bei der Durchführung von Hilfseinsätzen. Im Jahr 2008 wurden in diesen Projekten 11.500 Operationen am Grauen Star durchgeführt.
Auch das Augenlicht von Pijota Andida konnte so gerettet werden: Pijota Andida hat sein ganzes Leben lang hart gearbeitet. Der 68-jährige hat vier Kinder und 11 Enkelkinder und auch seine Schwester und ihre Töchter leben bei ihm. Die Großfamilie besitzt ein paar Felder, auf denen Mais, Kochbananen und Weizen wachsen. Und zwei Kühe helfen beim Pflügen und geben ein bisschen Milch. Pijota kann seiner Familie nicht viel bieten, aber wenn alle mithelfen, reicht es zum Überleben.
Eines Tages bemerkt Pijota, dass er am linken Auge immer schlechter sieht. Er hat keine Zeit, sich darüber Sorgen zu machen, denn die Felder müssen bestellt werden, die Tiere versorgt. Und sein rechtes Auge ist ja noch in Ordnung. Aber bald beginnt sich auch rechts sein Blick zu trüben. Mit jedem Tag wächst Pijotas Verzweiflung. Was wird aus seiner Familie, wenn er sein Augenlicht ganz verliert? Wenige Monate später ist der so tatkräftige Mann völlig blind. Hilflos verbringt Pijota seine Tage damit, auf den Abend zu warten. „Ich will meiner Familie nicht im Weg sein, bin unglücklich, dass ich zwar esse und trinke, aber nichts zum Familienunterhalt beitragen kann.“ Doch eines Tages hört er von einem Mann, der angeblich schon blinde Menschen sehend gemacht hat.
Dieser Mann ist Augenarzt Dr. Abu Beyene. Für vier Tage kommt er zu einem Hilfseinsatz von LICHT FÜR DIE WELT nach Amaro, eine halbe Tagesreise von Pijotas Dorf entfernt. Voller Hoffnung macht sich Pijota, geführt von seinem Sohn Zeregete, auf den Weg. Ein Nachbar borgt ihnen ein Maultier, denn zu Fuß schafft der blinde Großvater den steinigen Weg nicht. Als sie ankommen, warten schon über 200 Menschen geduldig und voll stiller Hoffnung auf den Arzt. Bald ist auch Pijota an der Reihe. Die Diagnose "Grauer Star" sagt ihm nichts, aber als Dr. Abu ihm erklärt, dass seine Blindheit heilbar ist, keimt zaghafte Hoffnung in dem alten Mann.
Gleich am nächsten Morgen wird Pijota operiert. Als ihm danach zum ersten mal die Augenbinde abgenommen wird, breitet sich ein strahlendes Lächeln auf seinem Gesicht aus. Ein Lächeln, das weit mehr sagt als tausend Worte. Am Rückweg hat der rüstige Großvater die Zügel des Maultiers selbst in der Hand. Endlich kann er sich wieder um seine Familie kümmern, die Tiere versorgen, die Felder bestellen.
Bei der Rückkehr fallen ihm seine Verwandten voll überschwänglicher Freude um den Hals. Pijota kann wieder lachen, Pijota kann wieder sehen!