Mutter in Mwanga, Tansania, informiert sich über das Recht ihrer Tochter auf Schulbesuch
Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte legt fest, dass alle Menschen "frei und gleich an Würde und Recht geboren" sind. Trotzdem wird weltweit Menschen mit Behinderungen der Zugang zu ihren Rechten verwehrt. Sie werden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, sind Armut und Diskriminierung ausgesetzt. Kinder, die mit Behinderungen auf die Welt kommen, werden von den Eltern oft nicht angemeldet und erhalten daher keine Geburtsurkunde. Dadurch bleiben ihnen lebenslang grundlegende Bürgerrechte vorenthalten.
Bis zum heutigen Tag werden Menschen mit Behinderungen von den meisten Projekten der internationalen Entwicklungszusammenarbeit ausgeschlossen. Um aber wirtschaftliche und soziale Änderungen von Dauer herbeiführen zu können, müssen alle Menschen Zugang zu diesen Programmen haben. Daher ist es LICHT FÜR DIE WELT ein großes Anliegen, internationale Entwicklungszusammenarbeit für Menschen mit Behinderungen zugänglich zu machen.
Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist im Mai 2008 in Kraft getreten. Sie schreibt vor, dass Menschen mit Behinderungen in Projekten im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit aktiv eingebunden werden. Zum ersten Mal in der Geschichte wird damit eine Verbindung zwischen Entwicklung und den Rechten von Menschen mit Behinderungen ausgedrückt.
LICHT FÜR DIE WELT hat diese Konvention mitinitiiert und trägt auf nationaler und internationaler Ebene aktiv zu ihrer Implementierung bei. Im österreichischen Monitoringausschuss zur Umsetzung der Konvention bringt LICHT FÜR DIE WELT Expertise für den Bereich Entwicklungszusammenarbeit ein. Auf Ebene der Europäischen Union setzen wir uns für eine inklusive Gestaltung der Europäischen Entwicklungspolitik ein, sodass Menschen mit Behinderungen in allen Entwicklungsprogrammen von Anfang bis Ende teilhaben können.
Es ist heute weithin bekannt, dass die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) nicht ohne die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen erreicht werden können. Trotzdem wurden Menschen mit Behinderungen in den MDGs bisher mit keinem Wort erwähnt. Im Rahmen des Netzwerks International Disability and Development Consortium (IDDC) beteiligt sich LICHT FÜR DIE WELT an der UN Millenniumskampagne, um Bewusstsein für dieses Problem zu schaffen (www.includeeverybody.org).
Die neue Resolution „Realizing the MDGs for persons with disabilities“, die von LICHT FÜR DIE WELT federführend mitgestaltet wurde, fordert nun erstmals die umfassende Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in die MDGs und alle ihre Aktionspläne, Ziele und Indikatoren.
Um wirksam zu sein und Ergebnisse zu zeigen, muss anwaltschaftliche Arbeit auf internationaler und europäischer Ebene Hand in Hand mit unserem Engagement in den Partnerländern gehen. Wir setzen uns dafür ein, die Richtlinien der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in unseren Projektländern auf lokaler Ebene zu implementieren. LICHT FÜR DIE WELT fördert zudem Eigeninitiativen von Menschen mit Behinderungen und unterstützt Behindertenorganisationen in den Projektländern dabei, in Dialog mit Regierungsstellen zu treten und ihre Anliegen geltend zu machen.
Um Wirkung zeigen zu können, muss der Einsatz für die Rechte von Menschen mit Behinderungen auf Länderebene weitergetragen werden. LICHT FÜR DIE WELT unterstützt Behindertenorganisationen und lokalen Initiativen von Menschen mit Behinderungen dabei, Kapazitäten und Infrastruktur aufzubauen und ihre Rechte geltend zu machen. Die Arbeit in Äthiopien, Burkina Faso, Tansania und Nordost-Indien beschränkt sich nicht darauf, Einzelpersonen zu unterstützen: Behindertenrechtsorganisationen treten in Kontakt mit offiziellen Stellen, von Gemeindeebene bis hin zu staatlichen Institutionen, und machen auf die Bedeutung inklusiver Entwicklungsstrategien und ihr Recht auf Entwicklung aufmerksam.
LICHT FÜR DIE WELT unterstützt das Projekt "Inclusive Tanzania", ein Konsortium aus 14 Behindertenorganisationen, das sich neben dem Recht auf Bildung für Kinder mit Behinderungen besonders für die politische Rechte von Menschen mit Behinderungen einsetzt. Bei den Kommunalwahlen 2009 gelang es dem Konsortium, dass in einigen Gemeinden die Wahl auch für behinderte Menschen zugänglich gemacht wurde - mit barrierefreien Wahllokalen und Stimmzetteln in Braille-Schrift. Dadurch stieg die Wahlbeteiligung in diesen Gebieten merkbar an. Zwei Lokalpolitiker mit Behinderungen wurden sogar in Ämter gewählt und werden sich weiter für die Rechte ihrer behinderten Mitmenschen einsetzen.