Obmann Franz Klausecker aus Bad Ischl im Hilfsprojekt in Soddo. Äthiopien März
Mit dem Aufbau einer Augenklinik in der äthiopischen Wolayta-Region hat der Ischler Weltladen gemeinsam mit dem Land Oberösterreich für 2,2 Millionen Menschen augenmedizinische Versorgung gebracht. Soeben hat eine vierköpfige Abordnung des oberösterreichischen Entwicklungshilfe-Vereins das Hilfsprojekt besucht: Blinde Menschen können wieder sehen!
Soeben sind die ersten Bad Ischler von ihrem humanitären Hilfsprojekt in Äthiopien zurückgekehrt. Die nachhaltige Hilfe für augenkranke und blinde Menschen in einer der ärmsten Regionen unserer Erde stand im Mittelpunkt ihrer Initiative, die künftig Tausenden augenkranken und blinden Menschen in der äthiopischen Wolayta-Region das Augenlicht retten wird. Konkret besucht haben vier Mitglieder des Vereins „Direkthilfe Welt Drei – Bad Ischl“ (besser bekannt unter dem Namen „Weltladen Bad Ischl“, Anm.) ihre in den letzten Monaten gemeinsam mit dem Land Oberösterreich aufgebaute Augenklinik in der Kleinstadt Soddo, dreihundert Kilometer südwestlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Das Einzugsgebiet dieser augenmedizinischen Einrichtung umfasst 2,2 Millionen Menschen, von denen 2,6 Prozent blind sind. Das bedeutet: Mehr als 57.000 blinde Menschen leben in der Region Wolayta, Tausende Menschen sind aufgrund der Infektionskrankheit Trachom von Erblindung bedroht. Viele Kinder erblinden aufgrund eines akuten Vitamin-A-Mangels.
Die neue Augenklinik solle eine „Insel der Hoffnung“ werden. Bis auf einige kleinere Adaptierungen sind die Bauarbeiten abgeschlossen und die Eröffnung steht kurz bevor. Aber schon jetzt werden augenkranke und blinde Menschen mit mobilen Einsätzen von LICHT FÜR DIE WELT fachmedizinisch betreut und versorgt. So sind die Bad Ischler Entwicklungshelfer bereits auf eine große Zahl von Augenpatienten getroffen und haben persönlich Operationen am Grauen Star erlebt, die blinden Menschen das Augenlicht geschenkt haben. Franz Klausecker, seit 1992 ehrenamtlicher Obmann des Ischler Weltladens und hauptberuflich Standesbeamter der Stadtgemeinde Bad Ischl, schildert noch am Rückweg von Afrika seine ersten Eindrücke in einem persönlichen Interview:
Licht für die Welt: Herr Klausecker, Sie sind das erste Mal in Afrika, was waren die bewegenden Momente für Sie im Bad Ischler Hilfsprojekt?
Franz Klausecker: Es ist mir sehr nahe gegangen, als vormals blinde Menschen nach einer Operation am Grauen Star schon wenige Stunden später wieder sehen konnten. Wieder sehen zu können bedeutet für die Menschen einen riesigen Entwicklungsschritt, vom Pflegefall zum voll integrierten Mitglied des Familienverbandes. Berührt hat mich aber auch, unter welch schwierigen Umständen hier gearbeitet und operiert wird. Dass während einer Augenoperation der Strom ausfällt und das Licht ausgeht, ist für uns unvorstellbar. Die lokalen Fachkräfte hier, Augenärzte und Krankenschwestern von der Hilfsorganisation LICHT FÜR DIE WELT, stehen mit vollem Herz und Engagement hinter ihrer Arbeit für blinde Menschen aus den Armutsgebieten.
Licht für die Welt: Wie haben Sie die Armut in Äthiopien erlebt?
Franz Klausecker: Die Situation vieler Kinder hat mich an ein Märchen der Gebrüder Grimm erinnert. Das Sterntaler-Mädchen hatte nichts mehr, außer die Kleider am Leib und ein Stück Brot in der Hand. In Äthiopien haben viele Kinder nur mehr löchrige Kleider am Leib, keine Schuhe und kein Stück Brot in der Hand. Die Armut vieler Menschen ist sehr nah an uns herangerückt.
Licht für die Welt: Was hat Ihnen Hoffnung gegeben?
Franz Klausecker: Die Errichtung der Augenklinik in Soddo ist der bisherige Höhepunkt unserer Vereinstätigkeit. Wir haben gesehen, wie in kurzer Zeit ein nachhaltiges Hilfsprojekt entstehen kann, auch wenn die Rahmenbedingungen in einem Entwicklungsland alles andere als einfach sind. Gemeinsam mit dem Land Oberösterreich haben wir hier Hilfe ermöglicht, die über Jahrzehnte augenkranken und am Grauen Star erblindeten Menschen das Augenlicht schenken soll. Ich war dabei: So eine Augenoperation dauert etwa eine halbe Stunde und ein Mensch kann nach jahrelanger Blindheit wieder sehen, für sich und seine Familie sorgen. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe!
Licht für die Welt: Wie geht es jetzt weiter mit ihren Vereinsaktivitäten in Bad Ischl?
Franz Klausecker: Zunächst werden wir im Pfarrheim alle Helfer und Freunde des Ischler Weltladens mit einem bunten Reisebericht über unsere Erfahrungen im äthiopischen Hilfsprojekt informieren. Aber die Arbeit soll noch weiter Früchte tragen: Unser Weltladen in der Kaiser-Franz-Josef-Str. 1 in Bad Ischl hat sechs Tage in der Woche geöffnet, dank des ehrenamtlichen Engagements von 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Allein mit dem Kauf fair gehandelter Produkte trägt jeder zu einer Verbesserung der Lebensumstände von Menschen in Entwicklungsländern bei. Mit dem Verkaufsgewinn können wir wieder Direkthilfe für soziale Anliegen in der Dritten Welt leisten. Seit unserer Vereinsgründung im Jahr 1992 konnten wir schon über 400.000,- Euro für Hilfsprojekte einsetzen.
Licht für die Welt: Sehen Sie Ihre ehrenamtliche Arbeit jetzt mit anderen Augen?
Franz Klausecker: Bei allen dreißig Helferinnen und Helfer des Ischler Weltladens stand immer schon das selbstlose Engagement für Menschen auf der Schattenseite unserer Erde im Vordergrund und das wird auch weiterhin so sein. Für mich ganz persönlich werden ab jetzt immer diese unvergesslichen Bilder aus Afrika im Kopf aufleuchten, wenn ich einen Wildkaffee aus Kaffa oder mit Ziegenhäuten bespannte Trommeln aus Ghana zur Hand nehmen werde…
Zur Person von Obmann Franz Klausecker aus Bad Ischl:
Geboren am 18.04.1964
Hauptberuflich Standesbeamter am Stadtamt Bad Ischl
Verheiratet mit Christl Klausecker, vier Kinder
Seit 17 Jahren Obmann des Vereins „Direkthilfe Welt Drei – Bad Ischl“
Telefon: 06132/301 – 18
Internet: www.ischler-weltladen.at