Karl Ritter, Melissa Coleman, Otto Lechner
und Anne Bennent beim Benefiz-Konzert
in Dar es Salaam.
„Ich war selbst viele Jahre unglücklich in Spitälern in Österreich. Dass es hier eine so positive Einrichtung für blinde und anders behinderte Menschen gibt, ist toll“, sagt der blinde, österreichische Akkordeonspieler Otto Lechner, als er vergangene Woche das von LICHT FÜR DIE WELT unterstützte Behindertenspital CCBRT besucht. In einem Armenviertel der afrikanischen Millionenstadt Dar es Salaam wird sein Benefizkonzert zur berührenden Begegnung unterschiedlicher Kulturen und zum Appell für die Lebensverbesserung von behinderten Menschen in Tansania.
Eine Reportage von Margit Draxl aus Dar es Salaam,
Tansania im Juli 2010
Die Sonne sticht gnadenlos heiß auf den riesigen Sandplatz im Zentrum von Temeke, einem Armenviertel in der 4 Millionen Einwohnerstadt Dar es Salaam. Hunderte Kinder, Frauen und Männer stehen ganz ruhig um eine kleine Bühne und warten. Sie warten auf Bi Kidude, die legendäre hundertjährige Sängerin ihres Heimatlandes, die gemeinsam mit dem Niederösterreicher Otto Lechner und seiner Windhund-Band, bestehend aus österreichischen Künstlern, ein Benefizkonzert an diesem abgelegenen Ort spielen wird. Die Musik soll die Menschen hier ihre Sorgen und Ängste für einige Stunden vergessen lassen. Dahinter liegt noch ein hehres Anliegen: Bewusstsein für augenkranke, blinde und anders behinderte Menschen in ihrer Mitte schaffen, die hier oft am Rande der Gesellschaft stehen. Musik verbindet und die schwierige Botschaft soll an positiver Leichtigkeit gewinnen.
Bi Kidude, 100jährige Sängerin aus
Tansania, beim Benefiz-Konzert.
Im pinkfarbenen, glitzernden, bodenlangen Kleid mit mächtiger rosa Schleife auf dem Kopf betritt Bi Kidude das musikalische Parkett. Innerhalb weniger Minuten drängen sich rund 500 Menschen auf dem nüchternen Platz, lauschen gespannt und konzentriert der eigenwilligen Musik der alten Dame. Ein entzücktes Raunen geht durch die Menge. Als sich die Akkordeon-Improvisationen des blinden Ausnahmemusikers Otto Lechner aus Gars am Kamp in die afrikanischen Klänge mischen, unterstützt von Cellistin Melissa Coleman und Karl Ritter an der Gitarre, kommt buntes Leben in das austro-afrikanische Benefizkonzert. Klangpausen werden gefüllt mit englisch vorgetragenen Texten der Burgschauspielerin Anne Bennent, Frau und Tourmitglied von Otto Lechner. Eine Konzertbesucherin strahlt: „Seit so vielen Jahren bin ich ein Fan von Bi Kidude. Dass ich sie heute mit diesen vielen Künstlern live erleben darf, berührt mein Herz!“
Sarehe Doto, zwei Jahre, Zerebralparese,
mit seiner Mutter Zena Said im Behindertenspital von CCBRT.
Tags zuvor im Behindertenspital von CCBRT (Comprehensive Community Based Rehabilitation Tanzania), das von LICHT FÜR DIE WELT seit zehn Jahren mit Spendengeldern unterstützt wird. Otto Lechner geführt von Anne Bennent, macht sich ein persönliches Bild von der humanitären Arbeit, die hier tagtäglich geleistet wird. 20 Kilometer nördlich von Dar es Salaam unterhält CCBRT eine Kindertagesstätte für behinderte Kinder. Hier trifft Otto Lechner auf Zena Said, die im Hof mit ihrem kleinen Sohn Rehabilitationsübungen macht. Der zweijährige Sarehe Doto ist in einem Gerät fest gebunden, damit seine Muskeln und Nerven trainiert werden. Er wird mit Zerebralparese geboren und nach und nach merkt Zena, dass mit ihrem Sohn etwas nicht stimmt. Der Vater verlässt die kleine Familie, als klar wird, dass Sarehe nicht gesund ist. Für die junge, alleinerziehende Mutter bedeutet es sehr viel, dass sie hier, im Tageszentrum von CCBRT, Austausch mit anderen Müttern und Betreuung durch Physiotherapeuten findet: „Ich sehe täglich die Fortschritte, die Sahere macht. Und auch bei den anstrengenden Übungen ist er immer fröhlich, daher weiß ich, dass auch er diese Fortschritte machen will!“
Otto Lechner und die Windhundband vor dem
von LICHT FÜR DIE WELT unterstützten
Behindertenspital CCBRT.
Er heißt Jonin, ist hauptberuflich im Einsatz für das Behindertenspital CCBRT und moderiert am vergangen Donnerstag das Konzert von Otto Lechner und Bi Kidude. Swahili ist hier, in Temeke, unbedingt erforderlich. Die Menschen verstehen kein Englisch und auch der österreichische Honorarkonsul Helmut Suitner, hält seine kurze Begrüßung in Swahili. Jonin nützt seinen Bühnenauftritt, um die tags drauf stattfindende gratis Augenuntersuchung durch die Ärzte von CCBRT anzukündigen. Superstar Bi Kidude unterstützt ihn dabei: „Ich bin froh, dass CCBRT sich um die Menschen hier in Temeke kümmert. Ich wünschte, alle Menschen in Tansania hätten Zugang zu medizinischer Versorgung!“
Download: Bilder in druckfähiger Auflösung
Webtipps
Otto Lechner: www.ottolechner.at
Windhundrecords: www.windhundrecords.com