Österreichische Spendengütesiegel

Rehabilitation

Gemeindenahe Rehabilitation

Samuel, Gemeindenahe Rehabilitation

Samuel, 14, wurde mit Klumpfüßen geboren. Im CBR-Programm in Äthiopien wird er gefördert und kann heute sogar Fußball spielen.

80 % aller Menschen mit Behinderungen leben in Entwicklungsländern. Sie haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung oder Arbeit, sind Diskriminierungen ausgesetzt und werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Dadurch sind sie ganz besonders von Armut betroffen. Unter den Ärmsten der Armen ist der Anteil von Menschen mit Behinderungen doppelt so hoch wie ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Das Konzept der Gemeindenahen Rehabilitation (Community Based Rehabilitation = CBR) ermöglicht nachhaltige und ganzheitliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Es werden alle Faktoren behandelt, die behinderte Menschen an einer gleichberechtigten Teilhabe in der Gesellschaft hindern. Die Rechte von Menschen mit Behinderungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Arbeit und Soziales werden explizit angesprochen. Behinderte Menschen werden im Rahmen von Projekten der Gemeindenahen Rehabilitation darin unterstützt, sich zu organisieren und aktiv die Gesellschaft  mitzugestalten.

In den Gemeindenahen Rehabilitationsprogrammen besuchen Rehabilitationshelfer regelmäßig die betroffenen Menschen, machen mit ihnen therapeutische Übungen in vertrauter Umgebung und ermöglichen ihnen Zugang zu Heilbehelfen wie Krücken oder Rollstühlen. Eltern, Nachbarinnen und Nachbarn lernen, welche Behinderungen und Therapieformen es gibt und wie sie das behinderte Kind am besten unterstützen können. Das ganze soziale Umfeld wird eingebunden. Die Rehabilitationshelfer stellen Kontakte zu Schulen, Arbeitsmöglichkeiten und anderen Entwicklungsprogrammen auf lokaler Ebene her, um Barrieren für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen und die soziale Integration zu fördern. Wesentlich für die Beseitigung diskriminierender Haltungen und Handlungen sind bewusstseinsbildende Maßnahmen in der Bevölkerung sowie die Ermutigung von Menschen mit Behinderungen und Eltern behinderter Kinder, in ihrem Umfeld für ihre Rechte einzutreten.

Im Oktober 2010 veröffentlichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO), UNESCO, ILO und das International Disability and Development Consortium (IDDC) die neuen Richtlinien für Gemeindenahe Rehabilitation. LICHT FÜR DIE WELT ist es ein großes Anliegen, dass diese Richtlinien auf andere Länder übertragen werden. Daher haben wir als Mitglied von IDDC an der Erstellung der Richtlinien mitgearbeitet und mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit Trainingsprogramme für Projektpartner zur Umsetzung dieser neuen Richtlinien entwickelt.

2010 hat LICHT FÜR DIE WELT 19.000 Kinder und Jugendliche in 21 Gemeindenahen Rehabilitationsprogrammen in Äthiopien, Burkina Faso, Mosambik, Süd-Sudan, Tansania, Nordost-Indien, und Bolivien gefördert.

Schulische Inklusion

Schulische Inklusion

Behinderte Kinder sollen Regelschulen besuchen und ihr Recht auf Bildung verwirklichen können.

Mehr als 90 % der Kinder mit Behinderungen in Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu Bildung. Ein Drittel aller Kinder ohne Zugang zu Grundschulbildung sind behindert.
Ohne die Einbeziehung von behinderten Kindern in das Regelschulsystem ist es unmöglich, das international vereinbarte Ziel (Millenniums-Entwicklungsziele), bis zum Jahr 2015 allen Kindern eine Grundschulbildung zu ermöglichen, zu erreichen.

LICHT FÜR DIE WELT setzt sich daher dafür ein, Kinder mit Behinderungen in Grundschulen in ihrer Umgebung gemeinsam mit ihren Freundinnen und Freunden zu unterrichten. Inklusive Bildung – wie sie auch von der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verlangt wird – bedeutet, dass das System Schule so angepasst wird, dass auf die spezifischen Bedürfnisse jedes Kindes, ob behindert oder nicht, eingegangen werden kann. Ein konkreter Schritt in diese Richtung ist der Abbau bestehender baulicher, sozialer und kommunikativer Barrieren. Schulgebäude müssen für Kinder mit Behinderungen zugänglich sein. Lehrmaterialien in Braille werden benötigt. Kenntnisse in Gebärdensprache bei Lehrkräften und Mitschülern sind erforderlich.

Und nicht zuletzt bedarf es ausgebildeter Sonderpädagoginnen und -pädagogen und Bewusstseinsbildung in den Familien und bei den Lehrkräften. Spezialschulen sind in erster Linie als Ressource-Zentren notwendig, die Lehrmaterialien bereitstellen, gezielte Förderprogramme für Kinder
mit Behinderungen anbieten, und dem Lehrpersonal in den Schulen mit Expertise zur Seite stehen.

In den Partnerländern von LICHT FÜR DIE WELT müssen gemeinsam mit den Schulen und den Gemeinden angepasste Lösungen entwickelt werden, zum Beispiel im Rahmen von Gemeindenahen Rehabilitationsprogrammen. Darüber hinaus aber bedarf es einer entsprechenden staatlichen Politik.
LICHT FÜR DIE WELT engagiert sich sowohl im Dialog mit den entsprechenden Ministerien als auch
auf internationaler Ebene, etwa in der ‚Global Campaign for Education‘, Inklusive Bildung als Standard
zu verankern. Alle Kinder mit Behinderungen sollen ihr Recht auf Bildung verwirklichen können.

Inklusive Bildung in unseren Programmen

Besonders hoch ist die Exklusion von gehörlosen Kindern, da sie vielfach von Kommunikation –
auch in ihren Familien und dem engeren sozialen Umfeld – ausgeschlossen sind.
LICHT FÜR DIE WELT unterstützt Projekte zur schulischen Inklusion von gehörlosen Kindern in Äthiopien und Burkina Faso. In Nordost-Indien fördert LICHT FÜR DIE WELT ein Zentrum für gehörlose Kinder, das neben der schulischen Ausbildung auch im Bereich der Früherkennnung von Gehörbeeinträchtigungen bei Kleinkindern tätig ist. Auf Dorfebene werden betroffene Kinder und ihre Eltern unterstützt.
Mit Unterstützung der Europäischen Union und der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
wird in Papua-Neuguinea ein landesweites Programm durchgeführt, das Kindern mit  Gehörbeeinträchtigungen Zugang zu Gesundheit und Bildung schafft. Im Jahr 2010 erreichte das  Programm ca. 20.000 Kinder mit Untersuchungen und Hörtests. 250 Kinder mit Gehörbeeinträchtigung konnten schulisch integriert werden. Besonders erfreulich ist, dass ab 2012 das Bildungsministerium alle in diesem Projekt tätigen Lehrkräfte unter Vertrag nehmen wird, und damit nachhaltig gesichert ist, dass gehörlose Kinder nicht mehr von Grundschulbildung ausgeschlossen werden.