
Weltweit sind etwa 39 Millionen Menschen blind und 285 Millionen schwer sehbehindert. 85% aller blinden Menschen leben in den Armutsgebieten unserer Erde. Dabei wäre knapp die Hälfte aller blinden Menschen durch eine Operation am Grauen Star heilbar, 80 Prozent aller Erblindungen bei Erwachsenen sind durch rechtzeitige Intervention vermeid- oder heilbar.
Aufgrund dieser alarmierenden Fakten hat die WHO Blindheitsverhütung und –heilung zu einem ihrer wichtigsten Arbeitsschwerpunkte für die nächsten Jahre erklärt. Hier konzentriert sie sich in der programmatischen Arbeit auf die wichtigsten vermeidbaren Blindheitsursachen: Die Hauptursache für Erblindung in Entwicklungsländern ist Grauer Star. Mit einer 15-minütigen Operation kann hier Augenlicht gerettet werden. Weitere Ursachen wie Flussblindheit und Trachom können mit Medikamenten behandelt werden.
Ein internationaler Aktionsplan wird von der WHO in Zusammenarbeit mit jenen Fachorganisationen und Hilfswerken, die sich auf augenmedizinische Arbeit spezialisiert haben, umgesetzt: Diese weltweite Kampagne unter dem Titel VISION 2020 - THE RIGHT TO SIGHT wurde am 18. Februar 1998 in Genf von der WHO der Öffentlichkeit präsentiert.
Bis zum Jahr 2020 sollen nicht weitere 100 Millionen Menschen erblinden, wenn ihre Blindheit nach medizinischen Gesichtspunkten verhindert oder geheilt werden könnte.
Die blinde Asaye Araro wird an einem Stock von ihrer Verwandten durch das äthiopische Hochland geführt. Zwei Tage später wird sie am Grauen Star operiert und erhält ihr Augenlicht zurück.
Dieses große Ziel kann laut Dr. Gro Harlem Brundtland (zum Start der Initiative Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation) nur erreicht werden, wenn weltweit alle Kräfte zusammenarbeiten. Es ist das erste Mal in der Geschichte der WHO, dass diese auf derart breiter Basis mit Hilfswerken kooperiert: UN-Unterorganisationen wie die Weltbank, Regierungen, Fachorganisationen für Augenarbeit, Gesundheitsexperten, humanitäre Organisationen und Einzelpersonen setzen sich für das Recht auf Augenlicht ein.
Kernstück dieser Kampagne ist die Entwicklung und Umsetzung nationaler Pläne zur Blindheitsverhütung, in denen die staatlichen Stellen gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen, Fachinstituten und Bildungseinrichtungen die jeweiligen Prioritäten im Land abstimmen und die Kräfte gezielt bündeln.
Die von LICHT FÜR DIE WELT im Bereich der Eliminierung vermeidbarer Blindheit unterstützten Maßnahmen – wie die Ausbildung von lokalen augenmedizinischen Fachkräften in Äthiopien und Pakistan, mobile Einsätze für blinde Menschen in ländlichen Regionen in Nordost-Indien, der Aufbau von Blindheitsverhütungsprogrammen in Zentral- und Nord-Mosambik – werden im Rahmen bestehender bzw. in Ausarbeitung befindlicher Nationaler Pläne zur Blindheitsverhütung durchgeführt, um die lokale Trägerschaft sowie die Nachhaltigkeit aufgrund der Einbettung in das bestehende Gesundheitssystem sicherzustellen.
Ein weiterer Schwerpunkt von VISION 2020 liegt in der Mobilisierung zusätzlicher Unterstützung für die Bekämpfung vermeidbarer Blindheit. In Österreich wurde deshalb die "Österreichische Initiative gegen Blindheit" (ÖIB) gegründet. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur tragen dazu bei, das Bewusstsein für blinde und augenkranke Menschen in Entwicklungsländern zu verstärken.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet einen großen Erfolg: Die Zahl der blinden Menschen weltweit ist in den vergangenen fünf Jahren von 45 auf 39 Millionen zurück gegangen. Die gemeinsamen Anstrengungen von Hilfsorganisationen wie LICHT FÜR DIE WELT und Regierungen in Entwicklungsländern im Rahmen der Initiative „Vision 2020“ zeigen Wirkung: Insgesamt gibt es um 29 Millionen Menschen mit Sehbehinderungen weniger! Waren es vor fünf Jahren noch 314 Millionen, so sind nun „nur“ noch 285 Millionen Menschen sehbehindert.
„Wir sind sehr froh, dass wir einen kleinen Teil zu diesem weltweiten Erfolg beitragen konnten und unsere Arbeit sichtbare Früchte trägt“, freut sich LICHT FÜR DIE WELT Geschäftsführer Rupert Roniger. Die WHO-Zahlen sind umso bemerkenswerter, da die Altersgruppe der über 50-Jährigen jene ist, die weltweit am schnellsten wächst und Menschen in diesem Alter besonders häufig von Sehbeeinträchtigungen betroffen sind.
„Diese Zahlen sind sehr erfreulich, denn vor einigen Jahren ist der Trend noch in die andere Richtung gegangen. Jetzt aber wissen wir, dass wir am richtigen Weg sind und unsere Maßnahmen auch tatsächlich greifen“, analysiert Prof. Dr. Gerhard Schuhmann, Grazer Augenarzt und ehrenamtliches Vorstandsmitglied von LICHT FÜR DIE WELT und erläutert weitere notwendige Maßnahmen: „Wir müssen noch mehr Länder ins Boot holen, um vermeidbare Blindheit wirklich weltweit bekämpfen zu können. Äthiopien, Burkina Faso und Mosambik sind bereits auf einem sehr guten Weg. In anderen Ländern gibt es aber noch Nachholbedarf.“
Webtipp: http://www.vision2020.org
Während in Österreich niemand sein Augenlicht verliert, wenn ihm nach heutigem Stand der Medizin geholfen werden kann, brauchen in den Armutsgebieten unserer Erde viele blinde Menschen unsere Unterstützung. Daher sehen wir es als unsere moralische Verpflichtung, von Österreich aus alles zu tun, um blinde Menschen weltweit zu unterstützen.
In der Volksschule Mwanga in Tansania bekommen Schüler mit und ohne Behinderungen dieselben Chancen.
Die ÖSTERREICHISCHE INITIATIVE GEGEN BLINDHEIT steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer.
Eine Reihe herausragender österreichischer Persönlichkeiten hat sich zu einem Unterstützungskomitee formiert, um die genannten Ziele zu erreichen. Die Schirmherrschaft hat im September 2004 der österreichische Bundespräsident Dr. Heinz Fischer übernommen:
Chris Lohner, Bundespräsident Fischer, Gerhard Schuhmann, Vorstandsmitglied, und Rupert Roniger, Geschäftsführer LICHT FÜR DIE WELT
"LICHT FÜR DIE WELT leistet sehr wichtige und sehr gute Arbeit. Es geht darum, das Schicksal des Erblindens nicht einfach hinzunehmen sondern etwas dagegen zu tun. Und man kann etwas tun: Blindheit ist in einem beträchtlichen Ausmaß auch eine soziale Frage, eine Frage des Geldes. Und mit relativ geringen Mitteln kann man helfen. In unserem Lande ist das gut organisiert, aber in der Dritten Welt gibt es tausende, ja Millionen Menschen, die ihr Augenlicht verloren haben oder in Gefahr sind es zu verlieren, weil die notwendigen medizinischen Vorkehrungen nicht getroffen werden können.
LICHT FÜR DIE WELT hat auch die ÖSTERREICHISCHE INITIATIVE GEGEN BLINDHEIT vor einigen Jahren in die Welt gerufen. Das imponiert mir. Und als Bundespräsident war ich gerne bereit, diese Initiative nicht nur zu unterstützen sondern auch die Schirmherrschaft zu übernehmen. So viel ich weiß haben allein im Jahr 2003 mehr als 49.000 Menschen durch einen kleinen medizinischen Eingriff, eine Operation am Grauen Star, ihr Augenlicht zurückgewonnen oder sind vor dem Erblinden bewahrt worden. Das muss man sich vorstellen, mehr als 49.000 Einzelschicksale. Dies ist eine große Verantwortung, die wir wahrnehmen müssen. Es ist eine gute Tat und mit relativ geringen Mitteln können wir unendlich große Hilfe leisten."