Österreichische Spendengütesiegel

Weihnachten allein in Indien

Foto: Uwe Sattelkow

LICHT FÜR DIE WELT-Radler Uwe Sattelkow und Suparna Barua, Leiterin des ‚Mary Rice Center’ in Shillong, Nordost-Indien.

Steirer radelt für LICHT FÜR DIE WELT 7.000 Kilometer nach Nordost-Indien

Ein Rad reisender Reporter kann es sich nicht aussuchen. Das Fahrrad entscheidet für ihn. Es entscheidet, wie schnell er vorankommt und wann er endlich sein Ziel erreicht. Planänderungen sind nur bedingt möglich. So fällt die Ankunft von LICHT FÜR DIE WELT-Radler Uwe Sattelkow in Shillong, Nordost-Indien, leider nicht auf das perfekte Datum: Denn im Dezember sind im Bundesstaat Meghalaya Ferien und die Kinder alle zu Hause.

Am Sonntag, dem 17. Mai 2009, haben sich die Steirer Uwe Sattelkow und Christian Walter im Grazer Augarten auf ihre vollgepackten Fahrräder geschwungen und sind in Richtung Süden losgefahren. Ihr Ziel: Für die gute Sache bis nach Nordost-Indien radeln und dort Projekte der österreichischen Hilfsorganisation LICHT FÜR DIE WELT besuchen.

Doch auf einer Radreise passiert Ungeplantes - Partner verschwinden, andere tauchen gar nicht erst auf. „Christian musste krankheitsbedingt von der Türkei nach Hause fliegen und zwei weitere Freunde sind kurzfristig abgesprungen“, berichtet Uwe Sattelkow, hauptberuflich Behindertenbetreuer in Graz. „Ich war nun auf mich allein gestellt - war weder mutig genug zum Aufgeben noch entschlossen, allein mit dem Fahrrad durch Iran und Pakistan zu fahren. So fand ich mich in einem Flugzeug wieder - auf dem Weg nach Delhi, in einem Transportmittel, das wir auf dieser Reise immer vermeiden wollten und das meinen ökologischen Fußabdruck nachhaltig versauen wird. Doch was blieb mir Anderes übrig.“

Foto: Uwe Sattelkow, Christian Walter, Alice

Uwe Sattelkow (links), Christian Walter (rechts) und Mitfahrerin Alice in der Türkei.

Aller Anfang ist schwer

„Kaum in Indien angekommen, wollte ich so schnell wie möglich wieder weg. Delhi ist nicht gerade der geeignete Ort, um sich mit diesem Land anzufreunden. Die durchwachte Flugnacht, der Verkehr, der Lärm, ein halber Tag auf erfolgloser Suche nach einer einzigen Schraube für mein Fahrrad und die bösen Bakterien, die meinen Darm während der Fahrt in Richtung Nepal überfielen - Indien machte es mir unmöglich, es zu mögen“, erzählt der studierte Philosoph Uwe Sattelkow. Ganz im Gegensatz zu Nepal: „Alle Anspannung fiel ab, kaum dass ich die Grenze passiert hatte.“ Neben authentischem Dorfleben bot Nepal Nationalparks mit Nashörnern und Bergstraßen mit wunderschönen Ausblicken. „Ein Paradies für Radreisende: Jetzt stand erstmal Ausspannen mit Blick auf die nahen Siebentausender am Programm.“

1.400 Kilometer bis zum Ziel

Shillong in Nordost-Indien und das Behindertenzentrum von LICHT FÜR DIE WELT sind jetzt „nur mehr“ 1.400 Kilometer entfernt. Der Endspurt führt Uwe vorbei an Affen, Elefanten, endlosen Reisfeldern und Teeplantagen, durch weite Flusstäler. Uwe schwärmt: „Die Landschaft ist aufregend und abwechslungsreich, die Menschen freundlich und sie sprechen sogar Englisch – zum Beispiel Krishna, der mich auf einen Rundgang durch sein Dorf in sein Heim einlädt. Der Besuch war wie aus dem Bilderbuch: Kleine Hütte ohne Strom, die Mama macht uns Tee und zeigt Fotos von anderen Freunden aus aller Welt. Jetzt habe ich mich wieder mit Indien versöhnt.“

Meghalaya, letzter Stop vor der Endstation Shillong. 110 Kilometer und über 1.400 Höhenmeter trennen Uwe nur mehr von seinem Ziel. Der Hotelrezeptionist ist entsetzt: „Der Weg ist viel zu steil. Du kannst dort nicht mit dem Rad hinfahren!“ So kurz vor dem Ziel lässt sich Uwe aber nicht von seinem Vorhaben abbringen.

Foto: Fahrrad

Uwes Rad in Indien, nach 7.000 gefahrenen Kilometern.

Endlich angekommen! 

Suparna Barua, die Leiterin des Behindertenzentrums in Shillong, freut sich über den außergewöhnlichen Besuch: „Herzlich willkommen im Mary-Rice-Center!“

Shillong liegt in Nordost-Indien, einer der ärmsten Regionen der Welt. Hier werden behinderte Kinder von ihren Familien oft versteckt – die „Schande“, die durch eine Behinderung auf der ganzen Familie lastet, schließt diese von der Dorfgemeinschaft aus. Fast immer sterben die Kinder in den ersten paar Lebensjahren.

Suparna Barua erklärt: „Die meisten Menschen mit Behinderungen in Indien bekommen keine faire Chance, weil sie durch das soziale und bildungspolitische Sieb fallen“. Umso erfreulicher ist der Erfolg des Mary Rice Centers: Eltern in seinem Einzugsgebiet verstecken ihre Kinder heute nicht mehr in dem Ausmaß wie früher, sondern sind froh, dass sie im Center eine angemessene Förderung erhalten.

Viele Pläne, zu wenig Geld

Uwe berichtet: „Gerade erst am Vortag sind alle Lehrer von einer mehrtägigen Fortbildung in Kalkutta zurückgekommen, mit dem Kopf voller neuer Ideen und Impulse.“ Mit der Unterstützung von LICHT FÜR DIE WELT werden in diesem Tageszentrum 110 Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen entsprechend ihrer Bedürfnisse individuell gefördert. Neben den Regelfächern wie Sprachen und Mathematik lernen die Kinder hier aber auch kochen, sich anzuziehen oder einkaufen zu gehen. „Suparna Barua hat noch viele Pläne für ihr Zentrum, derzeit aber nicht genug Geld, um alle umzusetzen“, so der 28-jährige Steirer Uwe Sattelkow. „Ich hoffe, dass sie in Zukunft mit Spenden aus Österreich noch mehr Kinder mit ihrer Arbeit erreichen kann!“

7.000 Kilometer geradelt

Insgesamt waren es 7.000 Kilometer, die Uwe Sattelkow auf Schotter-, Asphalt- und Bergstraßen durch Sand und Schlamm zurückgelegt hat. Nur zwei Mal musste er die Fahrradreifen flicken, beide Male waren Dornen Schuld. Er hatte glücklicherweise keinen Unfall und ist gemeinsam mit Christian nur einmal bestohlen worden – eine Packung Pistazien war die bescheidene Ausbeute des jugendlichen Diebes in der Türkei.

Im Jänner wird Uwe in Indien einen Yogakurs besuchen und dann nach Österreich zurückkehren. Weihnachten verbringt er mit neuen Freunden in der nordindischen Stadt Rishikesh. Uwes Resümee der „Tour - LICHT FÜR DIE WELT: „Diese Reise war ein einzigartiges und großartiges Erlebnis und wird hoffentlich nicht meine letzte große Radreise sein.“

Weitere Informationen
Start der Radtour 'Licht für die Welt'

http://www.wonderbird.org/

Blog: Mit dem Rad nach Indien