Zwei Steirer radeln im Namen von LICHT FÜR DIE WELT 15.000 Kilometer von Graz nach Nordostindien. Am Sonntag geht’s los!
Radeln für die gute Sache: Uwe Sattelkow und Christian Walter wollen mit dem Rad von Graz nach Nordostindien fahren. Ihr Ziel ist eine Schule für gehörlose Kinder in Barapani. Mit dieser Aufsehen erregenden Aktion unterstützen die jungen Steirer die österreichische Hilfsorganisation "LICHT FÜR DIE WELT".
Sonntag, 17. Mai 2009, 12 Uhr, Graz / Augarten, Murradweg
Regina Walter packt Jausenbrote und steirischen Apfelsaft für ihren Sohn Christian in die linke, hintere Satteltasche des voll beladenen Fahrrads. Tobias hilft seinem älteren Bruder, die Taschen jeweils neben und auf dem Gepäcksträger festzuzurren – insgesamt 25 Kilogramm – maximale Belastung für einen Radfahrer.
Uwe Sattelkow kontrolliert zum allerletzten Mal die beiden Fahrräder auf ihre Funktionstüchtigkeit: Lichter, Bremsen, Reifen – schließlich sind es rund 15.000 Kilometer von Graz nach Indien – 11 Länder auf Asphaltstraßen, durch Sand, Schlamm, Feldwege und Schlaglöcher. Nur mit einem Mountainbike und den dafür nötigen Ersatzteilen kann diese Tour bewältigt werden. Die beiden Steirer wissen, was auf sie zukommen könnte und sind dementsprechend ausgerüstet: „Extra Fahrradschläuche, Ersatzspeichen, Ketten, Bremsgummis und verschiedene Werkzeuge – wir haben jede mögliche Panne einkalkuliert“, erklärt Uwe Sattelkow.
Die Donau entlang bis zum Schwarzen Meer, von Helsinki nach Graz und von Graz nach Barcelona – das waren ihre bisherigen Radtouren. Uwe und Christian wissen, welche Belastungen sie erwarten werden.
Und doch ist diese Tour besonders, denn dieses Mal geht es nicht nur um eine sportliche Herausforderung. Es sind zwei Hilfsprojekte in Nordostindien von LICHT FÜR DIE WELT, die Christian und Uwe kennen lernen und unterstützen wollen.
In Barapani im nordostindischen Staat Meghalaya fördert LICHT FÜR DIE WELT eine Schule für gehörlose und gehörbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche.
Gehörlosigkeit ist aufgrund des rauen Gebirgsklimas ein weit verbreitetes Problem in Nordostindien. Chronische, unbehandelte Mittelohrentzündungen führen in vielen Fällen schon bei ganz kleinen Kindern zu Hörverlust. In der Schule von LICHT FÜR DIE WELT lernen die Kinder nicht nur Lesen und Schreiben, sondern werden auch durch Sprachtherapie gefördert und mit Hörgeräten ausgestattet. Ohne diese Hilfe hätten sie niemals die Chance auf Schulbildung und damit ein selbstbestimmtes Leben. Behinderte Kinder in dieser Region werden oft von ihren Familien versteckt – die „Schande“, die durch eine Behinderung auf der ganzen Familie lastet, schließt diese von der Dorfgemeinschaft aus. In ganz vielen Fällen sterben die Kinder in den ersten paar Lebensjahren.
„Menschen mit Behinderung leben in Entwicklungsländern unter Bedingungen, die für uns einfach nicht vorstellbar sind: Armut und Behinderung sind ein Kreislauf von ungeheurer Dramatik“, erklärt der 27jährige Christian Walter, der in Graz als Behindertenbetreuer arbeitet.
Mag. Uwe Sattelkow ein „studierter Philosoph“, der als Fahrradkurier in Wien unterwegs war, über seine Motivation für die extreme Radtour: „Wir wollen unsere sportliche Leidenschaft mit unserem sozialen Engagement verbinden. Die Organisation LICHT FÜR DIE WELT ermöglicht Menschen mit Behinderung in den Armutsgebieten unserer Erde ein selbst bestimmtes Leben – diese so wichtige Arbeit wollen wir mit unserer Aufsehen erregenden Tour unterstützen und alle Österreicher auffordern, LICHT FÜR DIE WELT zu spenden!“
Freunde und Familie sind zum Verabschieden in den Augarten gekommen, und der Abschied fällt allen schwer: Immerhin werden Uwe und Christian mindestens ein Jahr lang unterwegs sein, auch in gefährlichen Gegenden. „Natürlich haben wir auch Respekt vor der Tour – 5 Stunden täglich 80 oder 90 Kilometer am Fahrrad, damit wir unser Ziel erreichen. Wir könnten beim Passieren der Grenzen Schwierigkeiten bekommen oder könnten krank werden“, gibt Christian zu, doch Teamkollege Uwe beschwichtigt gleich wieder: „Für die harten Zeiten haben wir ja unsere kleine Gitarre eingepackt!“
Christian und Uwe lachen, schwingen sich auf ihre Fahrräder, treten in die Pedale und radeln los.
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